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Berufliche Anerkennungsverfahren


Die Anerkennungsverfahren werden von unterschiedlichen Behörden und Institutionen durchgeführt. Die jeweilige Zuständigkeit richtet sich nach den Abschlüssen und/oder  dem Wohnort der Antragsteller. Einen Antrag zur Anerkennung von beruflichen Qualifikationen können Menschen stellen, die über eine im Ausland abgeschlossene Ausbildung bzw. einen ausländischen Berufsabschluss verfügen oder ein Studium im Ausland abgeschlossen haben und beabsichtigen, in Deutschland zu arbeiten. Bevor sie dies tun, empfiehlt es sich, eine Beratungsstelle aufzusuchen, um abzuklären, ob eine Antragstellung sinnvoll ist.


Zuständige Stellen nach Bundes- und Länderanerkennungsgesetzen

Neben der zentralen Anerkennungsstelle IHK FOSA sind vor allem die Kammern (z. B. Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern) für Gleichwertigkeitsprüfungen von Ausbildungsberufen zuständig. Für viele reglementierte Berufe, beispielsweise für Ärzte, und Gesundheits- und Krankenpfleger/innen, sind wiederum die Behörden in den Ländern zuständig. Die zuständigen Stellen für die jeweiligen Berufe finden Sie über das Portal Anerkennung in Deutschland.


Ablauf

Über den Anerkennungs-Finder des Portals „Anerkennung in Deutschland“ findet man im ersten Schritt den der Ausbildung entsprechenden deutschen Referenzberuf sowie die vom Wohn- bzw. Arbeitsort abhängige Anerkennungsstelle. Die Seite ist in zahlreichen Sprachen aufrufbar.

Achtung: Wenn die Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen mit einer Wohnsitzauflage verbunden ist, müssen sich diese Personen an Ihre zuständige Ausländerbehörde wenden, da eventuell eine Änderung der aufenthaltsrechtlichen Auflage erforderlich ist.

Sobald die zuständige Stelle gefunden wurde, kann bei ihr ein Antrag gestellt werden. Der Anerkennungsfinder informiert darüber, welche Unterlagen für eine Antragstellung benötigt werden und stellt weitere Informationen zu dem Referenzberuf selbst sowie zur Arbeit in Deutschland bereit. Das entsprechende Antragsformular erhalten Interessierte nach einem Beratungstermin bei der zuständigen Stelle oder nach Anfrage per E-Mail. Oft können stehen  diese Formulare jedoch auch auf den Internetseiten der zuständigen Stellen zum Download bereit, so beispielsweise bei der IHK FOSA.

Wenn alle Dokumente eingereicht und der Antrag gestellt wurde, prüft die zuständige Stelle anhand der eingereichten Zeugnisse und Nachweise, ob wesentliche inhaltliche oder zeitliche Unterschiede zwischen der im Ausland erworbenen Berufsqualifikation und dem deutschen Berufsabschluss (Referenzqualifikation) bestehen. Sie stellt spätestens nach einer Frist von 3 Monaten einen Bescheid aus, welcher über die Art der Anerkennung informiert.


Arten der Anerkennung

Vollständige Gleichwertigkeit mit einem deutschen Referenzberuf

Wenn keine wesentlichen Unterschiede zwischen der ausländischen Qualifikation und dem deutschen Abschluss festgestellt werden, wird die vollständige Gleichwertigkeit bescheinigt. Sofern die sonstigen Voraussetzungen erfüllt sind, wird auch die Berufszulassung erteilt. Damit kann der Beruf genauso ausgeübt werden, wie mit einem deutschen Berufsabschluss.

Teilweise Anerkennung

Wenn im Laufe des Verfahrens wesentliche Unterschiede zwischen der ausländischen Qualifikation und dem deutschen Berufsabschluss festgestellt werden, stellt die zuständige Stelle bei nicht-reglementierten Berufen die vorhandenen Qualifikationen dar und beschreibt die Unterschiede zum deutschen Abschluss. Diese differenzierte Beschreibung ermöglicht den Antragstellern, die Unterscheide zu identifizieren und durch eine gezielte Weiterqualifizierung auszugleichen.

Mit Hilfe des IQ Netzwerkes, über das Portal KURSNET der Bundesagentur für Arbeit oder über die Auflistung von Kursdatenbanken auf unserem Portal kann man nach der passenden Qualifizierung suchen.

Aktuelle Qualifizierungsangebote in NRW im Kontext des Anerkennungsgesetzes sind auf der Seite des IQ Netzwerkes NRW aufgelistet.

Bei reglementierten Berufen, d. h. in denjenigen Berufen, in denen eine Anerkennung des Berufsabschlusses verpflichtende Voraussetzung für die Aufnahme der Berufstätigkeit ist, sind im Fall wesentlicher Unterschiede formalisierte Ausgleichmaßnahmen wie eine Prüfung oder ein Anpassungslehrgang im Rahmen der jeweiligen Berufszulassung vorgesehen.

Eine Liste mit allen Berufen, die in Deutschland reglementiert sind, finden Sie auf dieser Internetseite der Europäischen Union.

Keine Anerkennung

Wenn ein Abschluss nicht anerkannt wurde, besteht die Möglichkeit, eine Externenprüfung zu durchlaufen. Dort nehmen die Antragsteller als „Externe“ an der regelmäßigen Gesellen- oder Abschlussprüfung für einen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf teil. Dies eröffnet ihnen die Chance, einen formalen Berufsabschluss zu erreichen und damit ihre beruflichen Perspektiven zu verbessern. Über die Zulassung entscheidet im Normalfall die jeweils zuständige Stelle. Dies ist beispielsweise die Industrie- und Handelskammer für Berufe in Industrie und Handel oder für Handwerksberufe die Handwerkskammer. Weitere Informationen zur Externenprüfung finden sie hier.


Praktische Tipps

Ausführliche Informationen rund um die benötigten Dokumente für die Antragstellung finden Sie in vielen Sprachen bei "Anerkennung in Deutschland".

  • Amtliche Beglaubigungen

Es wird dringend davon abgeraten, Zeugnisse etc. im Original an die zuständigen Stellen zu schicken. Manchmal reichen normale Kopien jedoch nicht aus, sodass amtlich beglaubigte Kopien der Unterlagen notwendig werden. Mit derartigen Kopien wird durch eine dafür zugelassene Behörde etc. bescheinigt, dass die Zweitschrift mit dem Original übereinstimmt. Sollte eine solche beglaubigte Kopie erforderlich sein, teilen die zuständigen Stellen dies den Antragstellenden mit. Amtliche Beglaubigungen können z. B. vom Bürger- und Ordnungsamt, vom Kreisamt (oft im Rathaus), von Gemeinden oder Notaren angefertigt werden. In der Regel wird hierfür eine Gebühr erhoben.

Die Bezirksregierungen Köln und Düsseldorf haben Erläuterungen zum Thema amtliche Beglaubigungen veröffentlicht.

Weitere Informationen in verschiedenen Sprachen hat das Netzwerk IQ in einem Infoblatt zusammengestellt.

  • Übersetzungen

In der Regel sollen die Dokumente über die Berufsqualifikationen in einer ins Deutsche übersetzten Version dem Antrag beigefügt werden. Hier kommt es jedoch auf die zuständige Stelle an - falls diese eine*n Mitarbeiter*in hat, der/die die entsprechende Sprache spricht, kann auf eine Übersetzung verzichtet werden. Dies ist bei der Stelle direkt zu erfragen.

Sollten Übersetzungen notwendig werden, müssen diese von Dolmetschern*innen oder Übersetzer*innen angefertigt werden, die im In- oder Ausland öffentlich bestellt oder beeidigt sind. Nur diese Übersetzer*innen können durch einen offiziellen Vermerk bescheinigen, dass die deutsche Übersetzung eines fremdsprachigen Dokuments vollständig und richtig ist. Da manche der zuständigen Stellen jedoch ausschließlich Übersetzungen akzeptieren, die von in Deutschland öffentlich bestellten oder beeidigten Übersetzer*innen bzw. Dolmetscher*innen angefertigt wurden, sollte die Anerkennungsstelle vor der Beauftragung eines*r Übersetzer*in konsultiert werden.

Die öffentlich bestellten oder beeidigten Dolmetscher*innen bzw. Übersetzer*innen in Deutschland finden Sie im Internetportal der Dolmetscher- und Übersetzerdatenbank der Landesjustizverwaltungen sowie im Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V.

  • Kosten

Der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) hat einen Fachbeitrag zu Kostenfragen in der Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen erstellt. Dieses Dokument gibt einen Überblick über kostenpflichtige Verfahrensschritte im Anerkennungsverfahren sowie über Förderungen, die hierbei in Anspruch genommen werden können.

Welche Kosten für Sie anfallen, hängt von der Gebührenregelung der Länder bzw. Kammern und vom individuellen Aufwand des Verafhens ab. Sie können die Kosten bei den zuständigen Anerkennungsstellen erfragen. Diese finden Sie im Anerkennungsfinder auf dem Informationsportal der Bundesregierung zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen, in dem Sie nach Ihrem Beruf suchen können.

In bestimmten Fällen übernehmen die Arbeitsagenturen oder Jobcenter die Kosten für Weiterbildungen und/oder Übersetzungen. Weitere Informationen zu diesen Fördermöglichkeiten finden Sie hier, im Merkblatt 6 der Agentur für Arbeit.

Eine Übersicht über finanzielle Hilfen finden Sie darüber hinaus auf der Seite "Anerkennung in Deutschland".

  • Fehlende Papiere

In der Regel basieren Anerkennungsverfahren auf einer Analyse der vorhandenen Dokumente. Wenn Abschluss-, Arbeitszeugnisse oder Informationen zu Inhalten der ausländischen Qualifikation fehlen, können Antragsteller berufliche Kompetenzen über sogenannte „sonstige geeignete Verfahren“ (vgl. § 14 BQFG und § 50 HwO) nachweisen – beispielsweise durch ein Fachgespräch oder eine Arbeitsprobe. Dieses Verfahren im Rahmen der Berufsanerkennung wird als „Qualifikationsanalyse“ bezeichnet: Sie bietet Anerkennungsstellen, Antragstellenden sowie Arbeitgebern eine fachlich optimale Einschätzung über die vorhandenen und fehlenden Kompetenzen. Zuständig hierfür sind die jeweiligen Anerkennungsstellen. Den Ablauf einer Qualifikationsanalyse können Sie diesem Schaubild entnehmen.

Unter bestimmten Voraussetzungen können die Kosten einer Qualifikationsanalyse über das Programm "Prototyping Transfer" übernommen werden. Weitere Informationen zum Prototyping finden Sie unter diesem Link.


Unsere Linktipps

Video der IHK Düsseldorf zum Anerkennungsverfahren

Das Video kann über youtube aufgerufen werden.

Anerkennungszuschuss

Unter bestimmten Voraussetzungen können Personen, die ihre ausländische Berufsqualifikation in Deutschland anerkennen lassen wollen, einen Anerkennungszuschuss erhalten. Mit Hilfe des Anerkennungszuschusses können Kosten, die im Rahmen eines Anerkennungsverfahrens entstehen (z. B. für Übersetzungen, Beglaubigungen von Zeugnissen und Abschlüssen etc.) übernommen werden. Der Flyer des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gibt hilfreiche Informationen.

Hotline "Arbeiten und Leben in Deutschland"

Logo Hotline

Erreichbar Montag bis Freitag von 09.00 Uhr bis 15.00 Uhr.
Es fallen die üblichen Telefonkosten an (Festnetz- oder Mobiltelefon).

Sprachen: Deutsch und Englisch

Themen: Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse, Jobsuche, Arbeit und Beruf, Einreise und Aufenthalt, Deutsch lernen

Infotelefon berufliche Weiterbildung

Tel. 0211 837-1929

Erreichbar montags bis freitags von 08:00 - 18:00 Uhr. Es fallen die üblichen Festnetz- oder Mobiltelefonkosten an.

Über das Info-Telefon Berufliche Weiterbildung des Bürger- und ServiceCenter "Nordrhein-Westfalen direkt" erhalten Sie Auskunft zu folgenden Themen:

  • • Bildungsscheck NRW
  • • Bildungsurlaub
  • • Prämiengutschein des Bundes
  • • Aufstiegs-BAföG
  • • Weitere Fördermöglichkeiten
  • • Weiterbildungsangebote
  • • Nachholen von Schul- oder Berufsabschlüssen
  • • Kontakt zu einer Beratungsstelle vor Ort
Der Weiterbildungsratgeber

Ein kostenfreier Telefonservice des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zur Weiterbildungsberatung, erreichbar montags bis freitags in der Zeit von 9.00 bis 17.00 Uhr.

Über Videotelefonie wird der Service des Infotelefons auch in deutscher Gebärdensprache angeboten. Informationen dazu finden Sie hier.